31. Januar 2017

„Verdrängte Jahre“ – ÖBB Themenausstellung zu Gast in Tel Aviv

Die ÖBB Themenausstellung „Verdrängte Jahre – Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938 – 1945“ wird von 31. Jänner bis 17. März 2017 an der Universität Tel Aviv gezeigt.

Die ÖBB Themenausstellung „Verdrängte Jahre – Eisenbahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945“ wurde erstmals im Juni 2012 präsentiert. Sie beleuchtet das dunkelste Kapitel der Unternehmensgeschichte und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung. Die Ausstellung hat an mehreren Orten, sowohl in Österreich als auch im Ausland, Station gemacht: unter anderem im Wissensturm Linz, GrazMuseum, Landesmuseum Kärnten, Stadtmuseum Wiener Neustadt sowie im Europäischen Parlament in Brüssel. Im Oktober 2016 wurde zudem eine Dauerausstellung im Bildungszentrum St. Pölten/Wörth eröffnet.

Von 31. Jänner bis 17. März 2017 ist die ÖBB Themenausstellung nun auch an der Universität Tel Aviv in Israel zu sehen.

Die Eisenbahn in Österreich hat eine über 175jährige Geschichte. Neben enormen technischen Errungenschaften und die Bedeutung der Bahn für die industrielle Revolution, befassen sich die ÖBB aber auch mit den dunklen Zeiten des Systems Schiene: Von 1938 bis 1945 waren die Österreichischen Bundesbahnen (BBÖ) ein Teil der Deutschen Reichsbahn und eine der wichtigsten Stützen des nationalsozialistischen Staates. Ohne die Eisenbahn als Transportmittel wären die Kriegslogistik der deutschen Wehrmacht und die Massentransporte in die Vernichtungslager nicht machbar gewesen.

Josef Halbmayr, CFO der ÖBB-Holding AG: “Das ist der dunkelste Abschnitt unserer Unternehmensgeschichte. Wir sind dazu verpflichtet, zu gedenken und möchten mit dieser Ausstellung einen weiteren Beitrag zur historischen Aufarbeitung leisten. So unfassbar uns diese Ereignisse heute erscheinen, so klar müssen wir als ÖBB diese Zeit als Teil unserer Geschichte akzeptieren.“

„Verdrängte Jahre“ in Israel

Am 30. Jänner 2017 wurde die ÖBB Themenausstellung an der Universität Tel Aviv eröffnet. 

Martin Weiss, Österreichs Botschafter in Israel, gratulierte den ÖBB zu dieser Ausstellung:  „Letztes Jahr haben Österreich und Israel das 60-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen gefeiert. Heute haben unsere beiden Länder eine vertrauensvolle Freundschaft. Freundschaft bedeutet Verantwortung übernehmen: dazu gehört auch die Verantwortung, offen über die dunklen Kapitel der eigenen Vergangenheit zu sprechen. Diese Ausstellung tut genau das: Sie wirft einen ungeschminkten Blick auf die Vergangenheit und ermöglicht dadurch eine bessere Zukunft.“

Raanan Rein, Vizepräsident der Universität Tel Aviv: “The ghosts of the past constantly come back to haunt us and are closely connected to our present challenges. Modernity itself, as symbolized by the train, is a double edged sword: it which can bring with it both progress and improvement to human lives, as well as violence and suffering. This important exhibition showcases the diversity of the responses to fascism and violence - ranging from active and enthusiastic collaboration with a monstrous regime to different acts of heroic resistance The Austrian Railway Company is to be congratulated on this exhibition, and we are honored that Tel Aviv University was chosen as the venue for its presentation to the public.”      

Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, sieht diese Ausstellung als ein wichtiges Zeichen: „Gerade vor dem Hintergrund eines Anstiegs des autoritären anti-demokratischen Potentials bei jungen Menschen in Österreich, sind Aktivitäten wie das Lehrlingsprojekt der ÖBB mehr als ein Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit der Unternehmensgeschichte in der NS-Zeit. Die Ausstellung ist auch ein Beitrag zur politischen Bildung und Stärkung der demokratischen Grundstimmung in Österreich.“

Alisa Tennenbaum, Zeitzeugin: „Ich halte es für sehr wichtig zu erzählen, was in den Jahren von 1938 – 1945 in Europa vorgefallen ist. Leute zu hassen und zu vernichten darf nie mehr geschehen. Jeder muss auf den andern schauen und mitfühlen und versuchen zu verstehen, niemand ist berechtigt, das Leben einer Person zu nehmen, nur weil der Mensch eine andere Farbe, Religion hat,  weil er „anders“ ist. Die Gräueltaten des Holocaust dürfen nie wieder passieren und sie dürfen nicht vergessen werden.“

Aufgrund der zentralen Rolle, die die Bahn im zweiten Weltkrieg spielte, meinte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in seiner Rede: „Ohne die Mithilfe der Reichsbahn hätte sich die Tragödie der Shoah in diesem entsetzlichen Ausmaß niemals verwirklichen können. Die Bahn war für die Deportationen in die Ghettos und Todeslager verantwortlich. Andererseits gab es auch kontinuierlichen und organisierten Widerstand, bestehend aus verschiedenen Gruppierungen der Bahnbediensteten gegen die Nazi-Diktatur.

Um aber der Verdrängung entgegenzuwirken, ist Geschichtsaufarbeitung und die für diese Ausstellung gewählte greifbare Form besonders wichtig. Die Fragen „Wie ist alles vor sich gegangen?“ oder „Wie war das möglich?“ sind in dieser Ausstellung kein Tabu und es wird wohl kein Besucher davon unberührt bleiben.“

Die Ausstellung zeigt:

  • Den Anschluss: Bereits 5 Tage nach dem sogenannten "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland wurden die Österreichischen Bundesbahnen (damals BBÖ) in die Deutsche Reichsbahn integriert. Ungefähr 20 Prozent der Bahnangestellten wurden auf der Stelle entlassen und tausende „alteingesessene“ Nazis wurden innerhalb von nur ein paar Wochen bei den ÖBB aufgenommen.
  • Die BahnmitarbeiterInnen: Das deutsche Beamtenrecht und das politische Urteil der Arbeiterinnen erwiesen sich als wichtiges Druckmittel, um politische Gegner auf Kurs zu zwingen.
  • Emigration und Kindertransporte: Mehr als 100.000 Österreicherinnen und Österreicher, die die Nazis als Juden bezeichneten, wurden vor Ausbruch des Krieges gezwungen, Ihr Heimatland zu verlassen.
  • Die Sondertransporte: Hunderttausende Menschen wurden von Sonderzügen in die Konzentrations- und Vernichtungslager gebracht. Beinahe alle wurden in den Todeslagern getötet.
  • Der Widerstand: 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn, die Widerstand leisteten wurden zu harten Gefängnisstrafen verurteilt oder in Konzentrationslager gebracht.
  • Zwangsarbeit: Zwangsarbeiter wurden meist mit Zügen verbracht. Viele von ihnen wurden auch für den Schienenbau herangezogen.

Teil der Ausstellung ist eine Videodokumentation (in Zusammenarbeit mit dem ORF produziert), in der ÖBB Lehrlinge Überlebende interviewten. Mit dieser Ausstellung machen die ÖBB einen weiteren Schritt in Richtung geschichtliche Aufarbeitung. Besonderen Dank für die Erarbeitung der englischen Ausgabe der ÖBB-ORF Dokumentation an ORF-Programmstrategin Eva-Maria Hinterwirth und an die Regisseurin der Dokumentation „Trains to Life“, Uli Jürgens, die auch bei der Ausstellung zu sehen ist.

Leitung des Geschichtsprojekts und Ausstellung: Traude Kogoj; wissenschaftlicher Berater: Oliver Rathkolb; Ausstellungskonzept: Milli Segal

Regie der ÖBB-ORF Dokumentation „Years of Silence. Austrian Railways & the Nazi Regime“: Marcus Marschalek und Traude Kogoj

Für mehr Information über das Gesamtprojekt besuchen Sie bitte unsere Website: oebb.at/verdraengte_jahre

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Pressesprecherin Juliane Pamme

Juliane Pamme, MA.

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Als umfassender Mobilitätsdienstleister bringt der ÖBB-Konzern jährlich 459 Millionen Fahrgäste und 111,1 Mio. Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. 92 Prozent des Bahnstroms stammen aus erneuerbaren Energieträgern, zu 90 Prozent aus Wasserkraft. Die ÖBB gehörten 2015 mit 96,3 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Konzernweit sorgen 40.031 MitarbeiterInnen bei Bahn und Bus (zusätzlich 1.700 Lehrlinge) dafür, dass täglich rund 1,3 Mio. Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.