12.12.2019

ÖBB: Service für die Semmering-Bergstrecke beendet

Umfangreiche Erneuerungs- und Instandhaltungsarbeiten auf der Semmering-Bergstrecke abgeschlossen; Drei Viadukte generalsaniert; Investitionen von 37,6 Millionen Euro im Jahr 2019

Wie Autos brauchen auch Bahnstrecken regelmäßig ein umfassendes "Service", damit unsere Fahrgäste sicher und pünktlich unterwegs sind. Bis der Semmering-Basistunnel in Betrieb geht, rollen täglich rund 180 Züge über die 165 Jahre alte Semmeringstrecke. Dieses Verkehrsaufkommen müssen wir auch in der topographisch anspruchsvollen Lage unter härtesten Witterungsbedingungen bewältigen. Große Temperaturschwankungen, Schnee und Frost setzen der Zuverlässigkeit der Gleisanlagen Grenzen. Die denkmalgeschützte Semmeringstrecke zwischen Payerbach-Reichenau und Mürzzuschlag stellt eine der intensivst genutzten Bahnstrecken im Netz der ÖBB dar - ist sie doch ein Nadelöhr auf der Nord-Süd-Verbindung im Osten Österreichs und auf europäischer Ebene.

Umfangreiche Maßnahmen am Semmering

Im heurigen Jahr haben die Arbeiten zur Revitalisierung der Strecke schon im März begonnen. Bis November arbeiteten die ExpertInnen der ÖBB mit Hochdruck an folgenden Aufgaben:

  • Gamperl- Wagner und Rumplergrabenviadukt: Einbau einer lastverteilenden Platte unter Gleis 2, anschließender Lückenschluss zw. Platte Gleis 1 (errichtet 2018) und Platte Gleis 2 und Gesamt-Revitalisierung der Viadukte
  • Abtrag und Wiederaufbringen der Brüstungsmauern am Gamperl- und Wagnergrabenviadukt
  • Alter Semmeringtunnel: Sanierung Sohlkanal und Einbau Stromschiene
  • Neubau Weichenverbindung im Bereich Unterwerk Semmering
  • Gleisneulagen im Streckenabschnitt Payerbach - Breitenstein
  • Erneuerung der Bahnsteige im Bf. Eichberg
  • Sanierung von Durchlässen im Streckenabschnitt Eichberg - Breitenstein
  • Errichtung einer Gleisdrainage im Bf. Breitenstein

Präzisionsarbeit bei Viaduktsanierungen

Die größte Herausforderung stellte die Sanierung der Viadukte dar. Die Arbeit glich einem Puzzle-Spiel. Brüstungsmauersteine von Viadukten wurden vermessen, numeriert, abgetragen, per Zug in ein Steinmetzwerk zur Sanierung transportiert und auch per Zug wieder retourniert. Die Reihenfolge, in der die Steine behandelt wurden, musste genau eingehalten werden, um die historische Bausubstanz in der ursprünglichen Form zu bewahren. Außerdem mussten alle Steine erhalten bleiben, da die Steinbrüche aus denen das Material stammt, längst geschlossen sind und somit kein Ersatz mehr verfügbar wäre.

Nach Abtrag der Brüstungsmauern auf einer Gleisseite wurde eine lastverteilende Stahlbeton-Tragwerksplatte im Viadukt eingebaut. Darunter liegt eine elastische Lagerdämmplatte - die beiden Komponenten bilden gemeinsam ein Masse-Feder-System, das den Druck, den ein drüberfahrender Zug ausübt, besser auf den gesamten Untergrund verteilt. Zudem wurde eine neue Tragwerksentwässerung hergestellt, damit es zu keinen Frostschäden kommt. Die Wässer müssen gesammelt und abgeleitet werden, damit diese nicht mehr in die Viadukte eindringen können und somit keine weiteren Schäden anrichten. Über die gesamte Tragwerksbreite wurde die Ankerung erneuert. Dazu bohrte ein rund neun Meter langer Bohrer ein Loch, in dem der Anker gesetzt und dann mit Zement verpresst wurde. Der Anker hat die Funktion, das Viadukt zusammenzuhalten. Schließlich muss so ein Steinmauerwerk auch das enorme Gewicht der Güterzüge tragen.

2018 wurden diese Arbeiten auf einer Gleisseite durchgeführt, bis Mitte 2019 auf der zweiten. Danach wurde die Mittelfuge zwischen den beiden Tragwerksplatten geschlossen. Dafür war im Mai 2019 eine elftägige Totalsperre der Semmering-Bergstrecke erforderlich.

Zahlen zum Staunen

  • Wagnergraben-Viadukt: Brüstungsmauern zerlegt in 740 Steine (370 pro Gleisseite)
  • Gamperlgraben-Viadukt: Brüstungsmauern zerlegt in 724 Steine (362 pro Gleisseite)
  • Am Rumplergraben-Viadukt gibt es keine Brüstungsmauern, das ist das kleinste von allen
  • Gewicht der Brüstungsmauersteine: zw. 1,5 und 8 Tonnen

Die Südstrecke: Vom Reisen und Befördern der Zukunft

An mehr als 100 großen und kleinen Projekten arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG derzeit entlang der Südstrecke, einem Teil des Baltisch-Adriatischen Korridors. 200 Kilometer Bahnlinie werden modernisiert, 170 Kilometer neu gebaut. 80 km neue Tunnel und 150 neue Brücken errichtet. Über 5.000 Menschen arbeiten daran. Nach der Fertigstellung reisen Fahrgäste umweltfreundlich und sicher mit der Bahn in weniger als zwei Stunden von Wien nach Graz, in 2 Stunden 40 Minuten von Wien nach Klagenfurt, von Graz nach Klagenfurt in 45 Minuten. Sie passieren, auf insgesamt 470 km, viele neue Bahnhöfe und durchqueren mit hohen Geschwindigkeiten zwei Berge - den Semmering und die Koralpe. Das Projekt Südstrecke umfasst: den Nordbahn-Ausbau, den Ausbau Wien-Bratislava, den neuen Wiener Hauptbahnhof, das Güterzentrum Wien Süd, den Ausbau der Pottendorfer Linie, den Bau des Semmering-Basistunnels, acht modernisierte Bahnhöfe auf dem Weg von Bruck nach Graz, den modernisierten Grazer Hauptbahnhof und 130 Kilometer neue Koralmbahn. Gemeinsam schaffen sie die Voraussetzungen für einen zukunftsorientierten Personen- und Güterverkehr.
infrastruktur.oebb.at/suedstrecke

Rückfragehinweis für Medien

Semmeringsperre

DI Christopher Seif

Pressesprecher Wien, Niederösterreich, Burgenland

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Schon heute bringen die ÖBB als umfassender Mobilitätsdienstleister jährlich 477 Millionen Fahrgäste und 105 Millionen Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. Besonders klimaschonend sind die Bahnreisenden unterwegs. Denn 100 Prozent des Bahnstroms stammen aus erneuerbaren Energieträgern. Die ÖBB gehörten 2019 mit rund 96 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Mit Investitionen in die Bahninfrastruktur von über zwei Milliarden Euro jährlich bauen die ÖBB am Bahnsystem für morgen. Konzernweit 41.904 MitarbeiterInnen bei Bus und Bahn sowie zusätzlich rund 2.000 Lehrlinge sorgen dafür, dass täglich rund 1,3 Millionen Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Die ÖBB sind das Rückgrat von Gesellschaft und Wirtschaft und sind Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.