04.06.2020

Pottendorfer Linie: Zweigleisiger Ausbau im Abschnitt Münchendorf – Wampersdorf gestartet

Meilenstein zum viergleisigen Ausbau der Südstrecke Wien – Wr. Neustadt; Schranken ade – Eisenbahnkreuzungen weichen Unter- und Überführungen; Projektkosten aktueller Bauabschnitt: rund 270 Millionen Euro

Der zweigleisige Ausbau der Pottendorfer Linie im Abschnitt Münchendorf – Wampersdorf mit dem Herzstück „Bahnhof Ebreichsdorf neu“ hat begonnen. Damit setzen die ÖBB einen weiteren Meilenstein im Südstreckenausbau zwischen Wien und Wr. Neustadt. Die Bevölkerung darf sich über den Entfall aller Eisenbahnkreuzungen im Abschnitt freuen. Über- und Unterführung sorgen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Für die Ausbaumaßnahmen im Wiener Bereich, wo noch ein circa 700 Meter langer eingleisiger Abschnitt auszubauen ist, starten die Arbeiten Ende 2021. Im Jahr 2023, mit Ende des zweigleisigen Ausbaus der Pottendorfer Linie, wird die viergleisige Südstrecke zwischen Wien und Wr. Neustadt Realität. Die Projektkosten für den Gesamtausbau der Pottendorfer Linie belaufen sich auf rund 690 Millionen Euro.

Seit 2016 liefen die Hauptarbeiten im Abschnitt Hennersdorf – Münchendorf. Zum bestehenden Gleis wurde ein zweites hinzugelegt. In November 2019 waren die Arbeiten rund um die drei neuen Bahnhöfe Hennersdorf, Achau und Münchendorf abgeschlossen. Die Vorarbeiten für den aktuellen Bauabschnitt Münchendorf – Wampersdorf starteten bereits im August 2019. Seit März 2020 laufen Arbeiten in Ebreichsdorf, wo der zentrale Knotenpunkt des Projektabschnitts, der neue Bahnhof Ebreichsdorf, entsteht. Während zwischen Hennersdorf und Münchendorf zum bestehenden Gleis ein zweites hinzugelegt wurde, entsteht im Abschnitt rund um Ebreichsdorf eine völlig neue Trasse. Der Bahnhof wandert vom Ortszentrum Ebreichsdorf hin zum Stadtentwicklungsgebiet zwischen Ebreichsdorf und Unterwaltersdorf – direkt an die L150. Auch der Bahnhof Wampersdorf wird in zukunftsweisendem Design neu errichtet.

Mehr Kapazität auf die Schiene

Das zweite Gleis bringt mehr Kapazität auf die Schiene. Es können mehr Züge in dichteren Intervallen geführt werden und Überholen sowie Begegnen wird auch in den zweigleisigen Abschnitten außerhalb der Bahnhöfe möglich. Bisher konnten Züge nur in den Bahnhöfen kreuzen, wo sich mehrere Gleise befinden. Die Trasse ist so optimiert, dass teilweise Höchstgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h möglich sind. Dies ist vor allem für Fernverkehrszüge wie den Railjet relevant.

Mehr Sicherheit für Straße & Schiene

Alle Eisenbahnkreuzungen auf der Pottendorfer Linie werden durch Ersatz mittels Unter- oder Überführungen bis 2023 aufgelassen. Das bedeutet kein Warten an geschlossenen Schranken mehr und dadurch ein rascheres und sichereres Vorankommen für alle VerkehrsteilnehmerInnen – sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene.

Entlastung für Straße & Umwelt

Ähnlich wie beim Ausbau der Weststrecke zwischen Wien und St. Pölten ist auf der Südstrecke durch eine viergleisige Verbindung zwischen der Bundeshauptstadt und dem bevölkerungsreichen Südosten Niederösterreichs eine massive Steigerung der Fahrgastzahlen zu erwarten. Um der Nachfrage nachzukommen und im Sinne des Klimaschutzes für umweltfreundliche Mobilität zwischen den großen Ballungsräumen zu sorgen, sind Projekte wie der Ausbau der Pottendorfer Linie essentiell. So entlastet dieses Ausbauvorhaben beispielsweise die Autobahnen A2 und A3 zwischen Wr. Neustadt bzw. Eisenstadt und Wien und schont dadurch gleichzeitig die Umwelt. Der Umstieg auf die Bahn wird durch kürzere Fahrzeiten attraktiviert.

Fahrgastnutzen im Vordergrund

Der Ausbau konzentriert sich auf die Verkehrsströme aus dem Süden zwischen Wien Meidling und Wiener Neustadt. Aus dieser Richtung kommen derzeit rund 40 Prozent aller Menschen, die aus dem Umland nach Wien pendeln. Und das Potenzial steigt zunehmend: Von allen Pendlerinnen und Pendlern, die täglich aus dem Süden nach Wien einfahren, nutzen nur 20 Prozent die Öffentlichen Verkehrsmittel. Daher schaffen die ÖBB im Süden von Wien mit dem Ausbau der Pottendorfer Linie mehr Kapazitäten für die Zukunft. Der Erfolg zeigt sich auf der Weststrecke, wo durch die Viergleisigkeit bereits 40 Prozent der Pendlerinnen und Pendler mit dem Zug zwischen St. Pölten und Wien unterwegs sind.

Nachhaltiges Bauen

Im Zuge der Ausbaumaßnahmen rund um Ebreichsdorf wurden und werden noch zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Umwelt getroffen. Viele davon zielen auf den Gewässerschutz ab. Die Fischa ist neben der Piesting und dem Kalten Gang eines der fischökologisch interessantesten und fischereiwirtschaftlich wichtigsten Gewässer im Projektgebiet der Pottendorfer Linie. Sie weist einen besonders guten Bestand an Forellen auf und ist daher bei Fischern besonders beliebt. Deshalb wird dem Gewässerschutz bei Bauarbeiten rund um diese Flüsse besondere Bedeutung geschenkt. Dies reicht vom Betrieb von Gewässerschutzanlagen bis zur zeitlichen Abstimmung von Bauarbeiten mit Rücksichtnahme auf die Laichzeit vorkommender Fischarten.

Auch trachten wir danach, den Baustellenverkehr so abzuwickeln, dass Siedlungsgebiete aber auch wertvolle Naturschutz-Räume, wie das Europaschutzgebiet „Feuchte Ebene Leithaauen“ vor Lärm und Staub durch den LKW-Verkehr geschützt werden.

Berücksichtigung von Flora & Fauna

Des Weiteren werden Rodungsarbeiten während der Herbst/Wintermonate durchgeführt, um vor allem Brutvögel zu schützen. Diese nutzen Baumhöhlen als Zwischenquartiere während der warmen Jahreszeit. Zu jenen Tierarten zählen z.B. heimische Spechtarten. So kommt der Mittelspecht im Raum Ebreichsdorf im Vogelschutzgebiet an Waldstücken vor, die in geringer Entfernung zur künftigen Trasse der Pottendorfer Linie liegen.

Baumaßnahmen Münchendorf – Wampersdorf im Detail:

Bahnhof Ebreichsdorf:

  • Errichtung des Bahnhofs Ebreichsdorf in neuer Lage zwischen Ebreichsdorf und Unterwaltersdorf an der L150
  • Barrierefreie Gestaltung des gesamten Bahnhofsareals (zwei Lifte zu zwei Inselbahnsteigen, Blindenleitsystem)
  • Geschlossene, verglaste Wartebereiche auf Bahnsteigen
  • Kundeninformationssysteme in Echtzeit
  • Überdachter Busterminal
  • Park&Ride-Anlage für rund 450 PKW
  • Bike&Ride-Anlage für rund 150 Fahrräder
  • Barrierefreie WC-Anlage

Rund um Ebreichsdorf:

  • Errichtung der Eisenbahnstrecke in neuer Lage (Umfahrung Ebreichsdorf) und Auflassung der alten Strecke
  • Bau einer Eisenbahn- und Straßenbrücke über die Fischa (Straßenbrücke verbindet B60 und L150 – direkte Zufahrt von der B60 zum Bahnhof)
  • Bau der Unterführung B60 nahe dem Sportzentrum
  • Errichtung von Eisenbahnbrücken über den Hafnerbach und den Kalten Gang
  • Errichtung einer Wirtschaftswegüberführung
  • Errichtung einer Straßenüberführung der L156 (Gemeindegebiet Trumau)

Bahnhof Wampersdorf & Umgebung:

  • Neuerrichtung durchgehende Personen- und Radwegunterführung, um auf die neuen Bahnsteige zu gelangen
  • Neuerrichtung zweier Inselbahnsteige inkl. barrierefreier Gestaltung durch zwei Lifte und Blindenleitsystem
  • verglaste Wartebereiche auf Bahnsteigen
  • Kundeninformationssysteme in Echtzeit
  • Park&Ride-Anlage für rund 70 PKW
  • Bike&Ride-Anlage für rund 60 Fahrräder
  • Errichtung der Überführung B16 im Bereich des Bahnhofs Wampersdorf

Zitate

Andreas Matthä, Vorstandsvorsitzender ÖBB-Holding AG: „Jedes unserer Projekte steht nicht nur für sich allein, sondern ist Teil unserer Gesamtstrategie, eines großen Ganzen. So ist der Ausbau der Pottendorfer Linie ein wichtiger Part unserer Südstrecken-Offensive. Nach Fertigstellung der Pottendorfer Linie des Semmering Basistunnels und der Koralmbahn wird Reisen von Wien nach Graz oder Klagenfurt in einer Zeit möglich sein, bei der kein anderes Verkehrsmittel mehr mithalten kann – so wie es auch jetzt schon auf der Weststrecke erlebt wird.“

Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie: „Die Südstrecke ist von internationaler Bedeutung – sie ist wichtig für den die Wertschöpfung in der Region, ihr Ausbau steigert die Attraktivität für den Güter- und den Personenverkehr. Vom Ausbau der Pottendorfer Linie profitiert aber auch die Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer: Tausende Pendlerinnen und Pendler kommen künftig noch bequemer vom Süden aus nach Wien.“

Für Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko steht fest: „Der Bau der Pottendorfer Linie bedeutet für Niederösterreich einen Quantensprung in Sachen Öffentlicher Verkehr. Wie schon beim Ausbau der Weststrecke rechnen wir nach Fertigstellung der Arbeiten mit einem deutlichen Anstieg an Fahrgästen. Damit können wir den Verkehr im Land noch umweltfreundlicher machen, durch bessere Angebote den Pendlerinnen und Pendlern ein Plus an Lebenszeit bieten und durch die Auflassung der Eisenbahnkreuzungen auch die Sicherheit für die weiteren Verkehrsteilnehmer erhöhen.“

Wolfgang Kocevar, Bürgermeister Ebreichsdorf: „Für Ebreichsdorf bedeutet der zweigleisige Ausbau der Pottendorferlinie nicht nur eine wesentliche Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und eine ideale Anbindung für PendlerInnen an Wien und Wr. Neustadt, sondern auch, dass wir innerstädtisch durch den Wegfall der zahlreichen Bahnschranken eine Verbesserung der Verkehrswege, mehr Sicherheit auf unseren Straßen und zusätzliche Radwege umsetzen. Ein wichtiger Schritt auch für den Klimaschutz und als Stärkung unseres Wirtschaftsstandortes in zentraler Lage zwischen Wien, Baden und Eisenstadt.“

Die Südstrecke: Vom Reisen und Befördern der Zukunft

An mehr als 100 großen und kleinen Projekten arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG derzeit entlang der Südstrecke, einem Teil des Baltisch-Adriatischen Korridors. 200 Kilometer Bahnlinie werden modernisiert, 170 Kilometer neu gebaut. 80 km neue Tunnel und 150 neue Brücken errichtet. Über 5.000 Menschen arbeiten daran. Nach der Fertigstellung reisen Fahrgäste umweltfreundlich und sicher mit der Bahn in weniger als zwei Stunden von Wien nach Graz, in 2 Stunden 40 Minuten von Wien nach Klagenfurt, von Graz nach Klagenfurt in 45 Minuten. Sie passieren, auf insgesamt 470 km, viele neue Bahnhöfe und durchqueren mit hohen Geschwindigkeiten zwei Berge – den Semmering und die Koralpe. Das Projekt Südstrecke umfasst: den Nordbahn-Ausbau, den Ausbau Wien-Bratislava, den neuen Wiener Hauptbahnhof, das Güterzentrum Wien Süd, den Ausbau der Pottendorfer Linie, den Bau des Semmering-Basistunnels, acht modernisierte Bahnhöfe auf dem Weg von Bruck nach Graz, den modernisierten Grazer Hauptbahnhof und 130 Kilometer neue Koralmbahn. Gemeinsam schaffen sie die Voraussetzungen für einen zukunftsorientierten Personen- und Güterverkehr.
infrastruktur.oebb.at/suedstrecke

Rückfragehinweis für Medien

Bahnhof Ebreichsdorf Vorplatz

DI Christopher Seif

Pressesprecher Wien, Niederösterreich, Burgenland

ÖBB-Holding AG
Bahnhofsplatz 1
3100 St. Pölten

Telefon +43 664 6170022

christopher.seif@oebb.at

Für allgemeine Informationen oder Fahrgastinfos kontaktieren Sie bitte unser ÖBB Kundenservice +43 5 17 17 oder oebb.at/kontakt.

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ÖBB. Heute. Für morgen. Für uns.

Schon heute bringen die ÖBB als umfassender Mobilitätsdienstleister jährlich 477 Millionen Fahrgäste und 105 Millionen Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. Besonders klimaschonend sind die Bahnreisenden unterwegs. Denn 100 Prozent des Bahnstroms stammen aus erneuerbaren Energieträgern. Die ÖBB gehörten 2019 mit rund 96 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Mit Investitionen in die Bahninfrastruktur von über zwei Milliarden Euro jährlich bauen die ÖBB am Bahnsystem für morgen. Konzernweit 41.904 MitarbeiterInnen bei Bus und Bahn sowie zusätzlich rund 2.000 Lehrlinge sorgen dafür, dass täglich rund 1,3 Millionen Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Die ÖBB sind das Rückgrat von Gesellschaft und Wirtschaft und sind Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.