20.11.2020

ÖBB: Arbeiten an ÖBB-Ökostromzentrale im Ländle laufen auf Hochtouren

Herausfordernde Hauptbauphase bei der Modernisierung des ÖBB-Kraftwerks Spullersee. Im bis zu 40 Grad steilen Gelände wird ein erdverlegtes Stahldruckrohr errichtet. Voraussichtlich bis Ende Jänner 2021 sind Nacht- und Wochenendarbeiten erforderlich. Die ÖBB bitten dafür um Verständnis.

Das von den ÖBB in den Jahren 1919 bis 1925 als Bahnstromkraftwerk errichtete Kraftwerk Spullersee steht derzeit inmitten eines seiner größten Umbauvorhaben in seiner rund 100-jährigen Geschichte. Durch die Modernisierung soll auch künftig eine effiziente Erzeugung von umweltfreundlichen Bahnstrom für eine nachhaltige Mobilität sichergestellt werden. Nach erfolgter Vergabe der Baulose im Jahr 2019, wurde Anfang Juli 2020 mit den Hauptarbeiten begonnen. Im Zuge der Hauptbauphase werden das Stollenrohr am Speicher Spullersee und der Einbau der neuen, erdverlegten Stahldruckleitung am Dürren Berg umgesetzt. Die ÖBB investieren in das Projekt rund 31 Millionen Euro.

Bauarbeiten im Bereich der Steilrohrstrecke

Seit Juli 2020 wird anstelle der drei Druckrohrleitungen im Bereich Dürrenberg ein neues, 1460m langes, erdverlegtes Stahldruckrohr errichtet. Dieses Strahlrohr weist einen Durchmesser von 1100mm auf und Wanddicken bis zu 25mm. Diese Arbeiten sind höchst herausfordernd, da die Arbeiten im bis zu 40° steilen, unzugänglichen Gelände durchgeführt werden müssen. Dazu werden die ca. 13m langen Stahlrohre auf der Baueinrichtungsfläche neben dem KW Spullersee aufwändig für die Verlegung vorbereitet. Es werden Schutzmatten auf die Rohre aufgebracht, Transporthilfen angebracht und die Schweiß-Stöße vorbereitet. Danach wird jedes Rohr mit einem Gewicht von bis zu fünf Tonnen mittels Kabelkran über die Arlbergstrecke hinweg ins steile Gelände gehoben, und dort vor Ort in den vorbereiteten Rohrgraben eingebaut. Alle Rohre werden durch Schweißen miteinander verbunden, sodass nach Fertigstellung der Druckrohrleitung ein langes durchgehendes Stahlrohr im Gelände verlegt ist. Dieses Rohr wird durch zwei Festpunkte und fünf Querriegel im Gelände fixiert. Durch die Verlegung unter die Erste ist dieses Rohr künftig vor Naturgefahren wie Lawinen, Muren und Frost geschützt.

ÖBB bitten um Verständnis für Nacht- und Wochenendarbeiten

Der Ausbruch von COVID-19 hat auch die Arbeiten am Kraftwerk Spullersee vor neue Herausforderungen gestellt. Nach Bekanntwerden der Corona-Auswirkungen und Verkündung der Handlungsanweisung der Bau-Sozialpartner wurde der Baustellenbetrieb an die neuen Umstände angepasst. Aufgrund der herausfordernden neuen Bedingungen wurde jedoch die Baueinrichtungsphase nachhaltig beeinflusst, was zu zeitlichen Verzögerungen geführt hat. Deshalb unternehmen die ÖBB gemeinsam mit der bauausführenden Firma alles, um die Verzögerungen in der schneefreien Zeit bestmöglich zu kompensieren. In den kommenden Monaten sind daher Extraschichten in Form von Nacht- und Wochenendarbeiten notwendig. Dadurch ist bis voraussichtlich Ende Jänner in folgenden Zeiträumen mit einem Anstieg des Lärmpegels zu rechnen:

  • Montag, 18:00 Uhr bis Samstag, 06:00 Uhr (Betonarbeiten mit Seilbahntransporten und Verladetätigkeiten im Werksgelände bis Ende Jänner)
  • Samstag, 06:30, bis Sonntag, 18:00 Uhr (Stahlbau Seilbahn Einzelfahrten bis Projektabschluss im Mai)

Die ÖBB sind bemüht, die Unannehmlichkeiten für die Anrainerinnen und Anrainer so gering wie möglich zu halten und bitten um Verständnis für die notwendigen Arbeiten.

Die Fertigstellung erfolgt voraussichtlich im Mai 2021. Im Anschluss daran geht das Kraftwerk Spullersee mit 36MW Ausbauleistung in den Probebetrieb.

Umfangreiche Kontroll- und Wartungsarbeiten im Kraftwerk Spullersee

Parallel zur baubedingten Abstellung des Kraftwerks werden umfangreiche Kontroll- und Wartungstätigkeiten im Kraftwerk Spullersee durchgeführt. Darunter fällt unter anderem auch die Inspektion der Generatoren, eine Erneuerung der Leittechnik und auch eine Erneuerung der mechanischen Turbinenregler. Nach Abschluss der Restarbeiten soll das Projekt im Jahr 2022 abgeschlossen sein.

Rückschau auf die bisher durchgeführten Arbeiten

Im Winter 2019/20 wurden wesentliche Vorarbeiten zur aktuellen Hauptbauphase umgesetzt. So wurde der rund 480 Meter lange Zugangstunnel als Teil des neuen Ausrüstungskonzepts ausgebrochen. Parallel zu diesen Arbeiten wurde Anfang Jänner 2020 der Speicher Spullersee kontrolliert bis auf den ursprünglichen Seespiegel entleert. Im Rahmen dieser Seeentleerung wurde auch eine neue, seeseitige Apparatekammer ausgebrochen. Zudem wurden wichtige maschinenbauliche Anlagen wie zwei neue notschlusstaugliche Absperrklappen eingebaut. Mit dem Start einer Zwischenbetriebsphase von Mai bis Juni 2020 wurde das Schmelzwasser im Einzugsgebiet des Speichers abgearbeitet. In dieser Zeit wurde das Kraftwerk vorübergehend mit der alten Druckrohrleitung betrieben. Zudem wurde zum Schutz der Arlbergbahnstrecke vor den Bauarbeiten bereits im Vorfeld im vergangenen Oktober eine Schutzeinhausung errichtet. Im Schutz dieser Einhausung wurden der neue, 8 Tonnen schwere Kabelkran errichtet. Zudem erfolgte der Abtrag der alten Betriebsseilbahn und der drei Druckrohrleitungen. Mitte Juni 2020 wurde die Einlaufklappe geschlossen und das alte Stollenrohr aus Stahl aus dem Jahr 1924 auf der gesamten Länge von 1.826 Meter durch ein neues größeres GFK Rohr ersetzt. Diese Arbeiten waren ursprünglich bis in den Februar 2021 geplant, konnten aber bereits im November 2020 abgeschlossen werden. Die Baustelle wird aktuell geräumt.

100 Prozent österreichische erneuerbare Energie

Durch seine bauliche Auslegung ist das Kraftwerk in der Lage, gemeinsam mit dem Kraftwerk Braz, die Bahnstromversorgung in ganz Vorarlberg bei Bedarf sicherzustellen. Es kann Lastspitzen aus dem Bahnstromnetz ausregeln und es dient der Stabilität des ÖBB-Stromnetzes. Das Kraftwerk Spullersee produziert also nicht nur 100 % österreichische erneuerbare Energie, sondern fungiert auch als Motor für die regionale Wirtschaft. In der Region West (Tirol und Vorarlberg) betreiben die ÖBB neben Braz und Spullersee noch das Kraftwerk Fulpmes an der Ruetz im Stubaital. Diese drei Kraftwerke produzieren jährlich rund 220.000 Megawattstunden (MWh) Strom. Der Verbrauch der ÖBB in den beiden westlichsten Bundesländern liegt dem gegenüber bei rund 275.000 MWh, was dem Jahresverbrauch von ca. 55.000 Haushalten entspricht. Rund 80 Prozent der benötigten Energie für Westösterreich erzeugen die ÖBB in der Region selbst, der Rest wird von Partnerkraftwerken und von der ÖBB Kraftwerksgruppe Stubachtal bezogen.

Rückfragehinweis für Medien

Anstelle der bisherigen drei Druckrohrleitungen im Bereich Dürrenberg wird im bis zu 40° steilen Gelände, ein neues, 1460m langes, erdverlegtes Stahldruckrohr errichtet

Dr. Christoph Gasser-Mair

Pressesprecher Tirol, Vorarlberg

ÖBB-Holding AG
Südtiroler Platz 7
6020 Innsbruck

Telefon +43 664 8417208

Christoph.Gasser-Mair@oebb.at

Für allgemeine Informationen oder Fahrgastinfos kontaktieren Sie bitte unser ÖBB Kundenservice +43 5 17 17 oder oebb.at/kontakt.

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Als umfassender Mobilitäts- und Logistikdienstleister haben die ÖBB im Jahr 2020 insgesamt 287 Millionen Fahrgäste und über 95 Millionen Tonnen Güter klimaschonend und umweltfreundlich an ihr Ziel gebracht. Denn der Strom für Züge und Bahnhöfe stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Die ÖBB gehören mit rund 97 Prozent Pünktlichkeit im Personenverkehr zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Mit Investitionen von über drei Milliarden Euro jährlich in die Bahninfrastruktur bauen die ÖBB am Bahnsystem für morgen. Konzernweit sorgen knapp 42.000 Mitarbeiter:innen bei Bus und Bahn sowie zusätzlich rund 2.000 Lehrlinge dafür, dass täglich bis zu 1,3 Millionen Reisende und rund 1.300 Güterzüge sicher an ihr Ziel kommen. Die ÖBB sind Rückgrat des öffentlichen Verkehrs und bringen als Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen Menschen und Güter sicher und umweltbewusst an ihr Ziel. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.