25.11.2020

ÖBB: Start der Hauptbauarbeiten für das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos

Mit dem symbolischen Tunnelanschlag wurden die Hauptbauarbeiten zum Ausbau der Wasserkraft im Salzburger Stubachtal gestartet. Insgesamt werden rund 300 Millionen Euro in den Standort investiert und somit langfristig die Arbeitsplätze vor Ort gesichert. Alle Arbeiten finden unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen in Hinblick auf COVID-19 statt.

Auf Grund der aktuellen Situation wurde die Inszenierung des Starts der Hauptbauarbeiten des Pumpspeicherkraftwerkes Tauernmoos im Salzburger Stubachtal virtuell begangen. Mit einer Sprengung am Enzingerboden auf 1.500 Meter Seehöhe haben die Arbeiten für den Erschließungstunnel Stubachtal begonnen. ÖBB Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä, Bundesministerin Leonore Gewessler, Landeshauptmann Wilfried Haslauer mit Tunnelpatin Christina Haslauer, Vorstandsvorsitzender Swietelsky AG Karl Weidlinger sowie der Bürgermeister der Standortgemeinde Uttendorf, Hannes Lerchbaumer, haben feierlich am Baustart mitgewirkt – wenn auch aus der Ferne. Vor Ort ist die Baustelle jetzt in Vollbetrieb.

Von insgesamt zehn Wasserkraftwerken der ÖBB, die grünen Bahnstrom erzeugen, bilden in Österreich die vier Kraftwerke im Salzburger Stubachtal die größte und leistungsstärkste Kraftwerksgruppe des Konzerns. Der Grundstein dafür wurde bereits im Jahr 1914 gelegt und bis in die 1990er Jahre entsprechend erweitert. Mit dem Ausbau der Kraftwerksgruppe um das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos ist auch künftig eine effiziente Erzeugung von umweltfreundlichem Bahnstrom für eine nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität gewährleistet. Das neue Kraftwerk Tauernmoos stellt in Zukunft einen der wesentlichsten Eckpfeiler für die bedarfsgerechte und nachhaltige Bahnstromversorgung aus Wasserkraft dar.
Neben der Produktion von umweltfreundlichem Strom aus Wasserkraft, erlaubt das neue Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos, im Gegensatz zu herkömmlichen Speicherkraftwerken, auch große Mengen an Energie kostengünstig zu speichern und somit Leistungsspitzen im Bahnstromnetz optimiert abzudecken. So kann bei geringer Nachfrage überschüssiger Strom genutzt werden, um Wasser in das höher gelegene Speicherbecken zu pumpen und anschließend, bei erhöhter Nachfrage, wieder Bahnstrom zu erzeugen. Die Kosten für die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Stubachtal um das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos betragen rund 300 Millionen Euro.

Arbeiten liegen im Zeitplan

Bereits seit dem Frühjahr 2020 laufen wichtige Vorarbeiten. Dabei wurden Voreinschnitte für die Stollen gemacht, Zufahrtstraßen ertüchtigt und Lagerflächen für den Tunnelausbruch vorbereitet. Auch Teile der Energieableitung, dem Stromkabel, das letztendlich von Uttendorf bis zur Kaverne Tauernmoos reichen wird, wurden unter sehr schwierigen Randbedingungen gebaut. Aktuell werden nun beim Zufahrtstunnel täglich circa 20 Meter Vortrieb erreicht. Bis Weihnachten wird derzeit an zwei Vortrieben gearbeitet, ab April 2021 wird auf vier Vortriebe aufgestockt und der Kavernenausbau gestartet. Gebaut wird dann bis zum Jahr 2025. Danach folgt der Probebetrieb, welcher im Jahr 2026 in den Regelbetrieb übergeht. Alle Arbeiten finden natürlich unter Beachtung der Vorgaben im Rahmen der COVID19-Pandemie statt.

Projektpartner – Statements

Alle Projektpartner unterstreichen beim digitalen Festakt die Bedeutung von umweltfreundlicher Energie in Bezug auf Nachhaltigkeit:

ÖBB Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä: „Als größter und nachhaltigster Mobilitätsanbieter Österreichs trägt der ÖBB Konzern eine besondere Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Eine Verantwortung, die wir gerne wahrnehmen, indem wir nachhaltige Werte schaffen und Umwelt und Wirtschaftlichkeit zusammen denken. Ob mit Ökostrom in den Zügen oder Hybrid- Loks, ob mit Elektrobussen im Stadtverkehr, der Rollenden Landstraße im Güterverkehr oder mit klimaneutralen Bahnhöfen. Insgesamt betreiben wir in Österreich zehn Wasserkraftwerke für Bahn- und Drehstrom sowie sieben Frequenzumformer. Auch hier, am Beispiel Kraftwerk Tauernmoos, stellen wir unter Beweis, dass Klimaschutz unsere Kompetenz ist. Durch die Versorgung mit 100% grünem Bahnstrom aus erneuerbarer Energie sind wir einer der umweltfreundlichsten Eisenbahnbetreiber in Europa.“

Bundesministerin Leonore Gewessler: „Auf dem Weg zur Klimaneutralität ist es wichtig, aus dem Vollen zu schöpfen. Mit dem Ausbau der Kraftwerksgruppe Stubachtal leisten die ÖBB einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele und der Energieautonomie in Österreich. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass in Zukunft für alle ein klimafreundliches und nachhaltiges Leben möglich ist und der Umstieg vom Individual- auf den öffentlichen Verkehr leichtfällt. Durch Förderungen, Forschung und Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur schaffen wir es Österreich mobiler und umweltfreundlicher zu machen. Die ÖBB stehen uns hier als absolut verlässlicher Partner tatkräftig zur Seite.“

Landeshauptmann Wilfried Haslauer: „Mit der Erweiterung der Kraftwerksgruppe um das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos investieren die ÖBB rund 300 Millionen Euro in den Standort Stubachtal. Diese Investition stellt eine langfristige und umweltfreundliche Energiegewinnung für den Zugverkehr in Salzburg dar und sichert Arbeitsplätze ab. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind gerade für junge Menschen besonders wichtige Themen, auf die wir in Zukunft noch mehr Augenmerk legen müssen. Bis zum Jahr 2050 soll das Land Salzburg klimaneutral, energieautonom und noch nachhaltiger sein.“

Vorstandsvorsitzender Swietelsky AG Karl Weidlinger: „Der Bau des Pumpspeicherkraftwerks Tauernmoos ist ein Vorhaben, welches Mensch und Maschine vor große Herausforderungen stellt. Als Baufirma sind wir stolz, an so einem Projekt mitwirken zu können. Den heutigen Anlass möchte ich nutzen, um besonders allen Mitarbeitern meinen Dank auszusprechen und ihnen ein sicheres und unfallfreies Arbeiten zu wünschen.“

Bürgermeister Hannes Lerchbaumer: „Als Bürgermeister der Gemeinde Uttendorf und als Mitarbeiter in der Kraftwerksgruppe erfüllt mich die Erweiterung des Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos mit großem Stolz. Saubere Energie und umweltfreundlicher öffentlicher Verkehr sind für eine positive Umweltbilanz in Zukunft unumgänglich. Umso mehr freut es mich, dass zukünftig ca. ein Viertel des österreichischen Jahresbahnstrombedarfes hier aus dem Salzburger Stubachtal kommt“.

Tunnelpatin Christina Haslauer: „Mit dem Baubeginn startet ein Großbauprojekt von unglaublicher Dimension. Meter um Meter wird dieser Tunnel nun unter den schweren Bedingungen des Bergbaus hier am Enzingerboden gegraben. Ich wünsche allen Arbeitern und vor allem den Mineuren, welche direkt an der Ortsbrust stehen, ein herzliches Glück auf.“

Das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos

Den eigentlichen Kern des Großprojektes stellt das im Felsmassiv des Schafbichls in einer Kaverne (Hohlraum im Berg) gelegene Pumpspeicherkraftwerk mit seinen zugehörigen Ein-bzw. Auslaufbauwerken am Weißsee und am Tauernmoossee sowie dem Kraftabstieg dar. Die unterirdische Kaverne des geplanten Kraftwerks Tauernmoos wird in eine Maschinen- und eine Trafokaverne unterteilt. Die Höhe entspricht der eines zwölfstöckigen Wohnhauses. Die verschiedenen Ebenen sind durch einen Lift und ein Stiegenhaus erschlossen. Ein Hallenkran ermöglicht das Umsetzen von schweren Teilen der Anlage während Bau und Betrieb. Auch ein Leitstand, Werkstätten und ein Aufenthaltsraum sind in der Kaverne untergebracht. Die Kaverne ist dann über den Erschließungstunnel Stubachtal zu erreichen. Der unterirdische Kraftabstieg wird zukünftig im Turbinenbetrieb circa 80 m³ und im Pumpbetrieb circa 70 m³ Wasser in der Sekunde transportieren. Insgesamt wird die Kraftwerksanlage zukünftig bei einer Gesamtleistung von 170 MW (Megawatt) – rund 460 GWh Jahresenergieerzeugung aufweisen und damit den Anteil der Bahnstromeigenerzeugung erhöhen. Vor allem wird so die Möglichkeit geschaffen, Bahnstrom bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Der Bahnstrombedarf unterliegt starken tages- und wochenzeitlichen Schwankungen. Das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos wird es ermöglichen, in verkehrsschwachen Zeiten durch Pumpen von Wasser in den höherliegenden Weißsee eine Speicherung von Energie für verkehrsstarke und damit energieintensive Phasen zu bewerkstelligen. Dabei wird der Höhenunterschied von circa 220 Metern zwischen den Stauseen Tauernmoossee und Weißsee für dieses Vorhaben optimal ausgenutzt.

Prinzip der Bahnstromaufbringung

Eine der Kernaufgaben der ÖBB ist es, Voraussetzungen zu schaffen, die für eine umweltfreundliche, nachhaltige und leistbare Mobilität erforderlich sind. In diesem Zusammenhang gilt es besonders die Energieversorgung hervorzuheben, welche bei den ÖBB zu 100 % aus erneuerbaren Energieträgern sichergestellt wird. Der Jahresverbrauch an Bahnstrom (16,7 Hertz) beträgt in Österreich circa 2.000 Gigawattstunden. Circa 33 Prozent dieses Jahresbedarfs werden in den ÖBB eigenen Wasserkraftwerken, circa 25 Prozent in Partner-Wasserkraftwerken erzeugt. Der Rest wird aus dem öffentlichen 50-Hertz-Stromnetz bezogen und in den ÖBB-Frequenzumformern in Bahnstrom mit der Frequenz 16,7 Hertz umgewandelt. Zur langfristigen Sicherung der Bahnstromversorgung haben sich die ÖBB für den Ausbau der Bahnstromerzeugung entschlossen. Damit unterstützen sie die globalen Ziele des Klimaschutzes.

Rückfragehinweis für Medien

KW Tauernmoos

Mag. Robert Mosser

Pressesprecher Salzburg

ÖBB-Holding AG
Weiserstraße 7
5020 Salzburg

Telefon +43 664 9603465

robert.mosser@oebb.at

Für allgemeine Informationen oder Fahrgastinfos kontaktieren Sie bitte unser ÖBB Kundenservice +43 5 17 17 oder oebb.at/kontakt.

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ÖBB. Heute. Für morgen. Für uns.

Schon heute bringen die ÖBB als umfassender Mobilitätsdienstleister jährlich 477 Millionen Fahrgäste und 105 Millionen Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. Besonders klimaschonend sind die Bahnreisenden unterwegs. Denn 100 Prozent des Bahnstroms stammen aus erneuerbaren Energieträgern. Die ÖBB gehörten 2019 mit rund 96 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Mit Investitionen in die Bahninfrastruktur von über zwei Milliarden Euro jährlich bauen die ÖBB am Bahnsystem für morgen. Konzernweit 41.904 MitarbeiterInnen bei Bus und Bahn sowie zusätzlich rund 2.000 Lehrlinge sorgen dafür, dass täglich rund 1,3 Millionen Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Die ÖBB sind das Rückgrat von Gesellschaft und Wirtschaft und sind Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.