30.06.2021

Pottendorfer Linie: Biodiversität am Bahndamm

Die Bahnstrecke wird bis Ende 2023 durchgehend zweigleisig ausgebaut. Im Abschnitt Hennersdorf – Münchendorf rollen die Züge seit Ende 2019 bereits auf zwei Gleisen. Die Betreuung der Bahndämme, der Ersatzaufforstungsflächen sowie der ökologischen Ausgleichsflächen geht aber noch bis 2023 weiter.

Der zweigleisige Ausbau der rund 50 Kilometer langen Pottendorfer Linie zwischen Wien Meidling und Wiener Neustadt stellt eine wichtige Maßnahme zur Kapazitätserweiterung auf der Südstrecke dar. Er schafft die Voraussetzungen für ein besseres Angebot sowohl im Fernverkehr als auch im Nahverkehr für tausende Pendler:innen südlich von Wien. Bis Ende 2023 ist die durchgehende Zweigleisigkeit hergestellt.

Die Betreuung ökologischer Flächen, die im Rahmen des Ausbaus geschaffen wurden, dauert ebenfalls bis 2023 an. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Entwicklung der Vegetation soweit fortgeschritten sein, dass die Pflege von Dritten übernommen werden kann. Ein ökologisches Monitoring wird noch intensiv bis in das zehnte Jahr nach Inbetriebnahme des zweiten Gleises auf den Flächen durchgeführt.

Artenvielfalt

Ein wesentliches Ziel ist es, die Biodiversität entlang der Strecke durch spezielle Gestaltung der Bahndämme und Böschungen zu erhöhen. Planung und Bau der Anlagen sind bereits darauf abgestimmt. Verschiedene Vegetationstypen am Bahndamm lassen sich durch ihre Ausrichtung zur Sonne und durch ungleich aufgebrachte Humuslagen erreichen.

Kräuter-Cocktail für den Bahndamm

Besonders wichtig war der Einsatz eines hochwertigen Saatgutes mit mehr als zehn Prozent Kräuteranteil. Dies sind die Blumen, die für Erholungssuchende, die entlang der Bahn Rad fahren oder spazieren, ein attraktives Bild erzeugen. Außerdem sind Kräuter eine Nahrungsquelle für viele Insekten – Bienenarten, Schmetterlinge und Käfer – und blühen bei guter Durchmischung fast ganzjährig. Das Saatgut an der Pottendorfer Linie war REWISA-zertifiziert, was bedeutet, dass die Samen regionaltypisch sind (hier für das Pannonikum) und in Österreich gewonnen wurden.

Blumengruß gratis

Nach zwei Jahren sehen wir heute schöne Erfolge. Die Fotos zeigen den aktuellen Sommeraspekt am Bahndamm, den viele Anrainer:innen schätzen und die Trasse zum Sammeln von Johanniskraut oder zum Blumenpflücken entlang wandern. Selbstverständlich ist es dabei strengstens verboten, die Gleisanlagen zu betreten oder gar zu überschreiten.

Größere Flächen mit Disteln locken in der Blüte Schwärme von Distelfaltern an, die sonst kaum mehr Nahrungsquellen finden. An wenigen Stellen ist die Vegetation noch nicht ganz geschlossen, oder es haben sich kleine Abbruchkanten gebildet, die für Erdbienen oder einige Arten von Heuschrecken sehr wichtig sind, weil es solch nährstoffarme Stellen kaum mehr in der Natur gibt.

Ersatzaufforstungsflächen

Neben den offenen, blütenreichen Wiesenflächen am Bahndamm wurden vielfach kleine Waldflächen, sogenannte Ersatzaufforstungsflächen, angelegt. Die jungen Bäume und Sträucher müssen in der Anfangsphase durch einen Kulturschutzzaun vor Verbiss und Schäden durch Wildtiere geschützt werden. Sobald sie eine entsprechende Größe erreicht haben, wird der Zaun entfernt.

Mehr als sieben Hektar Wald neu angelegt

Um die Biodiversität zu erhöhen, haben wir unsere insgesamt über sieben Hektar neu gepflanzten Waldflächen mit einem Wiesenstreifen – ähnlich wie beim Bahndamm – umgeben. Darauf finden sich wiederholt Glaubsteinhaufen verschiedener Größe und Totholzhaufen aus Wurzelstöcken. Diese werden gerne von Schlangen und Eidechsen angenommen und diverse holzliebende Insekten, vor allem Käferarten, benötigen Totholz für ihr Fortkommen. Dachse und Füchse legen unter den Wurzelstöcken ihre Baue an.

An den Flächen haben wir auch Mulden ausgebildet, wo sich Regen- oder Schmelzwasser sammeln kann. Wir hoffen, dass sich dort auch temporäre Kleingewässer bilden, sodass Amphibien, Libellen und andere Insekten Lebensräume finden. Sie sollen auch Wildtieren als Tränke dienen.

Mähen als Schutz

Auch zwischen den jungen Bäumchen und Sträuchern wurde Saatgut eingebracht, um die Fläche besser vor dem Austrocknen zu schützen. Die Gehölzflächen müssen aber ausgemäht werden, wenn das Gras zu hoch wird, damit sich die Gehölze gut entwickeln können. Erst wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, kann ein Ausmähen der Fläche unterbleiben.

Thomas Schöfmann, Projektleiter Pottendorf Linie: „Die Pottendorfer Linie verbindet nicht nur Wien mit Wiener Neustadt, sondern auch moderne Eisenbahntechnik mit Klimaschutz und einer artenreichen und attraktiven Natur im Umfeld der Bahnanlagen. Als Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen haben die ÖBB nicht nur das Ziel, Menschen und Güter sicher und umweltbewusst zu befördern, sondern auch nachhaltig und umweltfreundlich zu planen und zu bauen und damit in jeder Hinsicht aktiv zum Schutz unserer Umwelt beizutragen.”

Johannes Unterhalser, Bezirksjägermeister: „Die Biodiversitätsflächen, die von den ÖBB auf den ökologischen Ausgleichsflächen der Pottendorfer Linie angelegt wurden, sind ein wichtiger Beitrag für Mikroorganismen, Kleinlebewesen und Wildtiere. Sie sind Nahrungsquelle und Rückzugsgebiete von Insekten, Rebhuhn, Hase, Fasan, Reh und vielen mehr. Ein Managementplan, der auch mit der Jägerschaft erstellt wurde, garantiert eine optimale Entwicklung der Flächen. Mein Aufruf an alle Naturnutzer:innen ist, diese Biodiversitätsflächen nicht durch Herumstreifen oder freilaufende Hunde zu stören. Durch diese oft unabsichtliche Störungen könnten diese biologischen Gebiete zu Todesfallen werden.“

Die Südstrecke: Vom Reisen und Befördern der Zukunft

An mehr als 100 großen und kleinen Projekten arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG derzeit entlang der Südstrecke, einem Teil des Baltisch-Adriatischen Korridors. 200 Kilometer Bahnlinie werden modernisiert, 170 Kilometer neu gebaut. 80 km neue Tunnel und 150 neue Brücken errichtet. Über 5.000 Menschen arbeiten daran. Nach Fertigstellung der Projekte eilen die Züge in 2 Stunden 40 Minuten von Wien nach Klagenfurt, von Graz nach Klagenfurt in 45 Minuten. Sie passieren, auf insgesamt 470 km, viele neue Bahnhöfe und durchqueren mit hohen Geschwindigkeiten zwei Berge – den Semmering und die Koralpe. Das Projekt Südstrecke umfasst: den Nordbahn-Ausbau, den Ausbau Wien-Bratislava, den neuen Wiener Hauptbahnhof, das Güterzentrum Wien Süd, den Ausbau der Pottendorfer Linie, den Bau des Semmering-Basistunnels, acht modernisierte Bahnhöfe auf dem Weg von Bruck nach Graz, den modernisierten Grazer Hauptbahnhof und 130 Kilometer neue Koralmbahn. Gemeinsam schaffen sie die Voraussetzungen für einen zukunftsorientierten Personen- und Güterverkehr.

infrastruktur.oebb.at/suedstrecke

Rückfragehinweis für Medien

DI Christopher Seif

Pressesprecher Wien, Niederösterreich, Burgenland

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Als umfassender Mobilitäts- und Logistikdienstleister haben die ÖBB im Jahr 2020 insgesamt 287 Millionen Fahrgäste und über 95 Millionen Tonnen Güter klimaschonend und umweltfreundlich an ihr Ziel gebracht. Denn der Strom für Züge und Bahnhöfe stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Die ÖBB gehören mit rund 97 Prozent Pünktlichkeit im Personenverkehr zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Mit Investitionen von über drei Milliarden Euro jährlich in die Bahninfrastruktur bauen die ÖBB am Bahnsystem für morgen. Konzernweit sorgen knapp 42.000 Mitarbeiter:innen bei Bus und Bahn sowie zusätzlich rund 2.000 Lehrlinge dafür, dass täglich bis zu 1,3 Millionen Reisende und rund 1.300 Güterzüge sicher an ihr Ziel kommen. Die ÖBB sind Rückgrat des öffentlichen Verkehrs und bringen als Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen Menschen und Güter sicher und umweltbewusst an ihr Ziel. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.